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  • ghochstein

Gute Vorsätze und steinige Wege

Willkommen im neuen Jahr, der hohen Zeit der guten Vorsätze. Was sind Ihre hehren Pläne und Ziele für 2024? Noch weitaus spannender: Was wurde aus Ihren hehren Plänen und Zielen für 2023?


„Gut ist der Vorsatz, aber die Erfüllung ist schwer“ wusste schon Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe. Ein schwacher Trost, dass der Weg vom Willen zum Ergebnis bereits in früheren Zeiten ein offenbar recht steiniger war. Der Schlüssel zum Erfolg unserer persönlichen Weiterentwicklung (denn welchem anderen Zweck sollten vernünftigerweise gute Vorsätze sonst dienen?) liegt offenbar abseits von der Selbsterkenntnis, wo unser Handlungsbedarf liegt und auch vom Willen, dort etwas zu unternehmen.



Ein Trost zunächst für diejenigen unter uns, die in den vergangenen Jahren nur einen Teil ihrer guten Vorsätze final ins Ziel brachten; Sie finden sich in bester Gesellschaft und entsprechen statistisch offenbar der Norm. Statista befragte im Dezember 2019 insgesamt 233 Menschen, die sich gute Vorsätze für das Jahr 2020 nahmen, wie lange denn ihre guten Vorsätze für 2019 hielten und sie danach handelten. Hier die Antworten:

3% „Einige Stunden“

6% „Einen Tag“

6% „Eine Woche“

12% „Zwei bis drei Wochen“

12% „Einen Monat“

27% „Mehr als zwei Monate“

20% „Durchgehalten / die guten Vorsätze nicht gebrochen“

Die Fehlenden zu 100 % hatten sich keine guten Vorsätze für 2019 genommen.


Tatsächlich setzen die Götter vor den Erfolg den Schweiß. Und zusätzlich wacht der innere Schweinehund, dem Cerberus der griechischen Mythologie gleich, aufmerksam an der Tür unserer Gewohnheiten und unserer Bequemlichkeit, woanders auch unsere Komfortzone genannt. Dort müssen wir erst einmal durch. Aber reicht es wirklich, einmal in das Fitnessstudio zu gehen oder drei Tage lang nicht zu rauchen, und die dauerhafte Änderung ist gelungen?


„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ dichtete Hermann Hesse 1941 in seinem Gedicht „Stufen“. Um klarzustellen: „Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise / und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen / nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise / mag lähmender Gewöhnung sich entraffen“.

Die Begeisterung im Aufbruch weicht, um hier im Bild zu bleiben, rasch den Mühen der Reise. Schnell kommt der Wunsch auf, in das Bekannte und Bequeme zurückzukehren.


Erfolg bei der Umsetzung guter Vorsätze braucht nicht mehr und nicht weniger als die wirkliche Änderung der eigenen Gewohnheiten und somit den anstrengendsten Akt der Transformation überhaupt. Damit steht und fällt jede Veränderung, gleich ob im privaten Bereich oder auch in Unternehmen, Gesellschaft oder Politik. Gute Vorsätze heißen dann Planung oder Projekte und sind nicht an den Jahreswechsel gebunden, sondern täglich Brot. Die Erfolgsquote der Veränderungspläne dort, sofern sie wirklich spürbare Transformation bedeuten, wird wohl ähnlich hoch oder niedrig sein wie bei den Befragten der Statista-Umfrage. Größeren Gruppen von Menschen, wie sie schon in Unternehmen zusammenkommen, fällt es naturgemäß noch schwerer als einzelnen Menschen, sich dauerhaft zu verändern. Hier multipliziert sich das Beharrungsvermögen und auch der Widerstand gegen Neues, Unbequemes zumal.


Roman Herzog hielt während seiner Zeit als Bundespräsident am 26. April 1997 seine vielbeachtete Berliner Rede, die als „Ruck-Rede“ bekannt wurde. Ich empfehle Ihnen, diese Rede noch einmal im Wortlaut zu lesen. Beurteilen Sie selber, welche der damals vor bald 27 Jahren von ihm benannten Themen in Deutschland seither wesentlich vorangebracht wurden. Seine Rede umfasste die Analyse, die Darlegung der Handlungsnotwendigkeiten, den Willen zur Veränderung und den Appell an alle Stakeholder. Sie war klar, eindringlich und ausgewogen. Als Bundespräsident und Staatsoberhaupt repräsentierte er eine überparteiliche Autorität, womit er losgelöst von taktischen, kurzfristigen oder Individualinteressen sprechen konnte. Und doch gelang es ihm als damals höchste Autorität im Staate nicht, ein großes Transformationswerk weit genug in Gang zu setzen. Das zeigt die Größe der Hürde, vor der wir Menschen jederzeit bei wirklichen Veränderungen stehen.


Und unternehmen Sie die selbe Übung doch auch einmal für Ihre früheren Pläne und Projekte in Ihrem Unternehmen. Sie werden dort sicher fündig mit Themen, die Sie (hoffentlich mit großem Schwung und Begeisterung) einstmals in die Umsetzung, aber nicht in das gewünschte Ziel gebracht haben. Das ist nicht schlimm, die Vergangenheit können Sie nicht mehr ändern. Aber Sie können sicher etwas aus den Fehlschlägen der Vergangenheit lernen, wenn Sie diese ehrlich und nüchtern analysieren. Welche der Projekte, die es nicht final in die erfolgreiche Umsetzung und zu den gewünschten Ergebnissen schafften, scheiterten zum Beispiel an alten Gewohnheiten, die Sie nicht ändern konnten? Nehmen Sie dem Scheitern der Vergangenheit den Makel durch ehrliche Aufarbeitung, dann schaffen Sie noch einen Nutzen durch Erkenntnis und Lernen für künftige Veränderungen. Noch zu selten wird der hartnäckigen Änderung der Gewohnheiten die notwendige Aufmerksamkeit gewidmet. Noch zu selten gelingt das ausreichend lange Durchhalten der Gewohnheitsänderungen, auch wenn es mühsam ist und manchmal gegen eine (auch eigene) Opposition durchgehalten werden muss. Gewohnheitsänderungen sind nicht der einzige Schlüssel bei Transformationen und guten Vorsätzen, aber der zentrale.


Wenn Sie die Mühen der Gewohnheitsänderungen erfolgreich meistern, dann wartet der Erfolg als verdienter Lohn am Ende des Weges – egal, ob privat bei einem guten Vorsatz oder bei einem wichtigen Veränderungsprojekt im Unternehmen. Und hilfreich sind immer Freunde, Vertraute oder externe Begleiter, die Sie dabei unterstützen; sie steigern deutlich die Chance auf Erfolg. Auch wenn Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“ das Leben als solches betrachtet, so schreibt er von einem verdienten Lohn, der auch Ihnen winkt, wenn Sie gute Vorsätze und Pläne durchhalten:  

„Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten / An keinem wie an einer Heimat hängen / Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen / Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein erfolgreiches Jahr 2024 und gutes Durchhaltevermögen bei Ihren guten Vorsätzen und Projekten.


Bildnachweis:

Quelle: Pixabay / www.pixabay.com   Urheber: spinejolt    Lizenz: Pixabay-Lizenz

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